Wie prüft man eine außerordentliche Kündigung?

Wie prüft man eine außerordentliche Kündigung?

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Wie prüft man eine außerordentliche Kündigung?

Die außerordentliche Kündigung des Arbeitgebers ist für den Arbeitnehmer eine einschneidende Maßnahme. Der Arbeitnehmer wird nicht nur mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses konfrontiert, sondern auch noch mit Vorwürfen durch den Arbeitgeber, sofern es sich um eine verhaltensbedingte Kündigung handelt. Wie prüft man nun eine außerordentliche verhaltensbedingte Kündigung auf deren Rechtmäßigkeit/ was sind die Voraussetzungen einer außerordentlichen, verhaltensbedingten Kündigung des Arbeitgebers?

Prüfungschema (Vorschlag) / Voraussetzungen einer außerordentlichen verhaltensbedingten Kündigung

Die außerordentliche verhaltensbedingte Kündigung könnte man wie folgt auf ihre Rechtsmäßigkeit prüfen:

  • Einhaltung der Formvorschriften (Schriftform)
  • Vorliegen eines wichtigen Grundes
    • besonders schwere Vertragsverletzung des Arbeitnehmers
  • Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalles
    • Interessenabwägung
    • zu berücksichtigen sind:
      • Dauer der Betriebszugehörigkeit
      • Unterhaltspflichten
      • Schwerbehinderung
      • Alter des Arbeitnehmers
      • schwere des Verstoßes
      • Grad des Verschuldens
      • Effekthandlung /Ausnahmesituation/ geplantes Handeln / hohe kriminelle Energie?
      • Verstoß im Kernbereich der Tätigkeit (Diebstahl bei Kassiererin)
      • Verhalten nach dem Verstoß (Einsicht oder Abstreiten/ Bezichtigung dritter Personen)
      • Schaden für den Arbeitgeber?/ Vertrauensverlust/ Vertrauen wieder herstellbar
      • bisheriges Verhalten des Arbeitnehmers
      • Chancen des Arbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt
      • Wiederholungsgefahr?
  • Verhältnismäßigkeit der Kündigung
    • mildere Maßnahme möglich
    • Abmahnung vorher erforderlich (Abmahnung ist der Normalfall)
  • Einhaltung der Ausschlussfrist des § 626 Abs. 2 BGB

Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin