polnischer Anwalt

Was polnische Anwälte mit kleinen Streitwerten machen?

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Was polnische Anwälte mit kleinen Streitwerten machen?

Wer kennt dies nicht. Ein Mandant kommt in die Kanzlei – so fangen die besten Witze an – und erzählt freudestrahlend, dass er eine „Internetsache“ habe und zudem auch noch eine Rechtsschutzversicherung, die bereits die Deckungszusage erteilt hat. „Es gehe nicht um viel Geld, aber ums Prinzip!“

Der deutsche Anwalt hört mit schmerzverzerrtem Gesicht den Ausführungen des Mandanten über „Abzocke im Internet“ und/ oder „falsche Bestellung“ zu und denkt sich, „weshalb kommen diese Leute immer in meine Kanzlei?“.

Trotz inneren Widerstandes und mit der Absicht den Fall ins Sekretariat abzuschieben,lässt sich dann der deutsche Rechtsanwalt die Vollmacht unterschreiben und übernimmt den Fall in der Hoffnung, dass derselbe Mandant später nochmals mit einem „schönen Fall“ vorbeikommt.

Soweit die deutsche Seite und jetzt der gleich Fall in Polen.

Der polnische Anwalt hört hier nur uninteressiert zu und unterbricht den Mandanten dann nach einigen Sätzen, um ihm mitzuteilen, dass es schön ist, wenn es ums Prinzip geht, denn dann spielt Geld ja keine Rolle. Die Gebühren hierfür wären außergerichtlich ungefähr € 500,00, da der Aufwand für den Anwalt ja erheblich wäre. Die Rechtsschutzversicherungszusage schiebt er dabei mit dem Hinweis zur Seite, dass der Mandant sich ja einen Teil des Anwaltshonorars von seiner Rechtsschutzversicherung wiederholen könne.

Der Mandant kommt ins Schwitzen und meinte nun, dass es doch nicht nur ums Prinzip gehe, sondern auch ums Geld und schließlich müsse der Fall ja wirtschaftlich sinnvoll sein. Der polnische Rechtsanwalt stimmt zu und meint, „dass gilt ja dann auch für mich“.

Auf einmal sind sich beide Seiten einig, dass der Fall – zwar ungerecht – aber doch nicht so wichtig und zudem völlig unwirtschaftlich ist.

Der deutsche Mandant wird vielleicht nicht wieder kommen, aber das ist dem Anwalt in Polen egal, denn Mandanten, bei denen es ums Prinzip geht, die braucht er nicht.

Anwalt Martin – Kanzlei Stettin

Regulierungsverhalten polnischer Kfz-Haftpflichtversicherer

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Regulierungsverhalten polnischer Kfz-Haftpflichtversicherer

Wer einen Verkehrsunfall in Polen hat, der ärgert sich „doppelt“. Zum einen über den Schaden und später über die Versicherung mit der er sich rumschlagen muss. Dies ist in Deutschland nicht anders als in Polen. In Polen mahlen aber nicht nur die Mühlen der Justiz lange, sondern auch die der Kfz-Haftpflichtversicherer.

polnische Kfz-Versicherer

Die polnische Versicherer (auf Polnisch wird die Kfz-Haftpflichtversicherung mit OC abgekürzt) lassen sich bei der Regulierung von Verkehrsunfällen in Polen viel Zeit. Häufig kann man in Polen auf das erste Antwortschreiben der Versicherung nach Anzeige des Schadensfalles mehrere Wochen warten.

Den „Vogel abgeschossen“ hatte allerdings eine polnische Versicherung, die uns nach einer mehrwöchigen Wartezeit telefonisch mitteilte, dass unser Schreiben mit der Unfallmeldung nicht bearbeitet werden kann, da die Meldung des Unfalles grundsätzlich mündlich erfolgen müsse. Auf solche Spielereien muss man sich natürlich nicht einlassen.

Der Grund für die lange Bearbeitung liegt zum einen an einer stetigen Arbeitsüberlastung der Mitarbeiter und an schlechter Organisation. Auch nehmen in Polen viele Geschädigte lange Regulierungszeiten einfach so hin, da in Polen die Klage in solchen Fällen nur zögerlich erhoben wird, was die Versicherungen wissen. Der Grund dafür liegt darin, dass zum einen die polnischen Geschädigten erst in äußerster Not zum polnischen Anwalt gehen und zuvor selbst die Regulierung des Verkehrsunfall in Polen versuchen (um Geld zu sparen) und zweites an der Tatsache, dass es in Polen kaum Rechtsschutversicherungen gibt.

Auch sind die Anwaltskosten in Polen im außergerichtlichen Bereich in Polen grundsätzlich nicht erstattungsfähig. Faktisch heißt dies, dass der Geschädigte in Polen immer auf seine außergerichtlichen Anwaltskosten sitzen bleibt.

Bei Unfällen in Polen kann es durchaus sinnvoll sein über den Schadensregulierungsbeauftragten in Deutschland zu regulieren. Dieser lässt sich aber auch 3 Monate für die Regulierung Zeit.

Der Nachteil der Einschaltung des Regulierungsbeauftragen ist meiner Ansicht nach aber die 3-Monatszeitraum, den der Regulierungsbeauftragte auch bis auf den letzten Tag ausnutzt. Wenn eine schnelle Lösung gebraucht wird, dann macht es häufig Sinn die polnische Versicherung anzuschreiben, alle erforderlichen Daten mitzuteilen und eine Frist zur Regulierung zu setzen. Nach polnischem Recht muss die Versicherung innerhalb von 30 Tagen (Art. 817 § 1 ZGB-PL) ab der Mitteilung vom Eintritt des Versicherungsfalles regulieren. Ist eine Sachververhaltsaufklärung noch notwendig, muss ab Aufklärung des Sachverhalts innerhalb von 14 Tagen reguliert werden. Der unstreitige Teil dabei sofort.

Da die Frist nach polnischem Recht kürzer ist, macht es Sinn dann gleich bei deutsch-polnischen Verkehrsunfällen in Polen in Deutschland (nach Ablauf dieser kurzen Frist) zu klagen. Es findet hier polnisches Recht Anwendung (Unfall in Polen zwischen einen Deutschen und einen Polen). Erfahrungsgemäß wird nach Eingang der Klage (vor allem beim Landgericht wegen des Anwaltszwanges und den damit verbundenen Kosten) schnell gezahlt.

Rechtsanwalt A. Martin – Anwalt Polen

Warum sich ein polnischer Anwalt (meist) nicht über arbeitsrechtliche Mandate freut.

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Warum sich ein polnischer Anwalt nicht über arbeitsrechtliche Mandate freut.

Man kann wohl grundsätzlich sagen, dass sich arbeitsrechtliche Mandante, vor allen natürlich Kündigungschutzklagen und Lohnklagen in Deutschland nicht nur für den Mandanten, sondern auch für den beauftragten Rechtsanwalt lohnen. Von daher ist der Markt auch dementsprechend umkämpft. Böse Zungen behaupten sogar, dass es Anwälte in Deutschland gibt, die versuchen Mandate über ihren Blog zu bekommen (gibs denn sowas).

In Polen sieht die Sachlage etwas anders aus. Mein polnischer Kollege in der Kanzlei in Stettin zieht die Augenbrauen hoch, wenn er hört, dass jemand freiwillig eine Vertretung im Arbeitsgerichtsverfahren übernimmt. In Polen scheuen sich die Anwälte (adwokaci) vor diesen Mandanten, da im Normalfall aufgrund der geringen Streitwerte sich die Fälle nicht lohnen. Die Mandanten stehen aber trotzdem „nicht im Regen“, da sich letztendlich dann doch jemand des Falles erbarmt (häufig übernehmen Rechtsberater radcy prawny„) dann die Mandante. Diese sind in vielen Firmen angestellt (die Anstellung von Rechtsanwälten ist in Polen aber verboten).

Mehr zum Thema polnisches Arbeitsrecht finden Sie unter Rechtsanwalt Polen.

 

Rechtsanwalt A. Martin Berlin
Rechtsanwalt A. Martin Berlin