Ausschreibung

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein: schriftlicher Einstellungstest ersetzt kein Vorstellungsgespräch

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Ein öffentlicher Arbeitgeber ist grundsätzlich nach § 82 S. 2 SGB IX verpflichtet einen schwerbehinderten Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen, sofern dieser nicht offensichtlich fachlich ungeeignet ist.

Ein solches erforderliches Vorstellungsgespräch kann auch nicht durch einen für alle Bewerber verbindlichen schriftlichen Auswahltest ersetzt werden.

Ein öffentliche Arbeitgeber schrieb den Ausbildungsplatz zum Verwaltungsinformatiker aus. Ein schwerbehinderter Bewerber erfüllte die fachlichen Voraussetzungen bewarb sich auf die Stelle. Der Arbeitgeber führte einen schriftlichen Eignungstest durch, welchen der schwerbehinderte Bewerber nicht bestand. Dieser erhielt darauf hin eine Absage vom Arbeitgeber.

Zu einem Vorstellungsgespräch wurde der schwerbehinderte Bewerber nicht geladen.

Der Bewerber verlangte daraufhin eine Entschädigung vom Arbeitgeber wegen einer Diskriminierung aufgrund seiner Eigenschaft als Schwerbehinderter nach dem AGG. Er begründete dies damit, dass er als schwerbehinderter Bewerber zwingend zum Vorstellungsgespräch hätte eingeladen werden müssen.

Der Kläger/der Schwerbehinderte gewann den Rechtstreit sowohl in der 1. Instanz als auch das Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht Schleswig Holstein ( Urteil vom 9.9.15 – 3 Sa 36/15).

Das LAG Schleswig Holstein führte dabei aus, dass ein schriftlicher Eignungstest nicht das Vorstellungsgespräch nach § 82 S. 2 SGB IX ersetzen würde.

Der Arbeitgeber wurde zu einer Zahlung einer Entschädigung in Höhe von zwei Bruttomonatsvergütungen verurteilt.

Rechtsanwalt Andreas Martin

LAG Düsseldorf: Männerdiskriminierung bei frauenfördernder Ausschreibung?

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LAG Düsseldorf: Männerdiskriminierung bei frauenfördernder Ausschreibung?

Diskriminierung einmal anders herum. Normalerweise beklagen sich Frauen  darüber, dass Sie bei Stellenausschreibungen und bei der Einstellung diskriminiert werden. Das LAG Düsseldorf hatte sich nun genau mit dem umgekehrten Fall zu beschäftigen.

Was war passiert?

Eine Stelle im öffentlichen Dienst wurde „frauenfördernd“ ausgeschrieben. Im Ausschreibungstext stand „ein besonderes Interesse an Bewerbungen von Frauen bestehe“. Der Grund dafür war, dass Stellen dieser Art bei der Behörde von Frauen unterbesetzt waren.

Ein männlicher Bewerber klagte auf Schadenersatz (24 Monatsgehälter !), da die Stelle dann auch tatsächlich mit einer Frau besetzt wurde und er von daher den Arbeitsplatz nicht bekam. Der Bewerber rügte, dass der durch die „frauenfördernde Ausschreibung“ als Mann von vornherein benachteiligt wurde, was das geschlechterspezifische Benachteiligungsgebot ist.

„Nachdem das Arbeitsgericht Düsseldorf erstinstanzlich dem Kläger teilweise Recht gegeben hatte, hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in der Berufungsinstanz die Klage vollständig abgewiesen. Es stellte insbesondere darauf ab, dass der Ausschreibungstext grundsätzlich geschlechtsneutral gehalten und das Bewerbungsverfahren ausschließlich an sachlichen Kriterien ausgerichtet war.“

Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin