Arbeitsverhältnis auf Abruf

Was ist Teilzeit – was ist Vollzeit?

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Was ist Vollzeit? Was ist Teilzeit?
Vollzeit vs Teilzeit

Inhaltsverzeichnis zur Vollzeit und Teilzeit


Die Abgrenzung zwischen Teilzeit und Vollzeit ist für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber wichtig, da hier eine Vielzahl von Rechtsfolgen mit der Einordnung des Arbeitnehmers als Vollzeitarbeitskraft oder als Teilzeitarbeitnehmer verbunden sind.

Wie grenzt man Vollzeit von Teilzeit ab (Begriff )?

Die Abgrenzung von Teilzeit und Vollzeit ist nicht immer ganz einfach. Nachfolgend soll dies verständlich – auch an Beispielen – erläutert werden. Wichtig ist dabei, dass dies nicht ohne Weiteres nur anhand der regelmäßigen Arbeitszeit des Arbeitnehmers auf eine Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung geschlossen werden kann.

Was bedeutet „Vollzeit“ (Definition)?

Von einer Vollzeitarbeit im Betrieb kann man dann ausgehen, wenn ein Arbeitnehmer die volle im Betrieb übliche Arbeitszeit tätig ist. Bei dieser Definition stellt man also auf die betriebsübliche Vollzeit, also regelmäßig längste Arbeitszeit ohne Überstunden ab. Dies hört sich kompliziert an, ist es aber nicht.

Wie viele Stunden sind Vollzeit?

Man kann die Teilzeit von der Vollzeit nicht losgelöst vom jeweiligen Arbeitsplatz vornehmen und zum Beispiel sagen, dass jede Arbeitszeit die regelmäßig unter 40 Wochenstunden liegt eine Teilzeitarbeit wäre. Dies wäre nicht richtig. Vielmehr ist auf das jeweiligen Arbeitsverhältnis abzustellen. Was – von der reinen Stundenzahl – in einem Arbeitsverhältnis (Branche/Betrieb) noch Vollzeit ist, kann woanders bereits Teilzeit sein oder umgekehrt. Es ist durchaus möglich, dass in einem Unternehmen eine Vollzeitstelle mit einer regelmäßigen Arbeitszeit von 35 h pro Woche vorliegt.

Es ist also immer auf das jeweilige Arbeisverhältnis/ den jeweiligen Betrieb abzustellen.

Anmerkung: Trotzdem kann man grob sagen, dass bei einer regelmäßigen Arbeitszeit von 40 Stunden oder mehr pro Woche in der Regel eine Vollzeitbeschäftigung vorliegt. In einigen Branchen ist auch eine übliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden schon eine Vollzeitarbeitszeit.


Wo findet man die gesetzliche Regelung?

Eine gesetzliche Regelung hierzu findet man in § 2 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes.

§ 2 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes

Die Antwort gibt – zunächst abstrakt – § 2 des Teilzeit – und Befristungsgesetzes dort steht:

Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers. Ist eine regelmäßige Wochenarbeitszeit nicht vereinbart, so ist ein Arbeitnehmer teilzeitbeschäftigt, wenn seine regelmäßige Arbeitszeit im Durchschnitt eines bis zu einem Jahr reichenden Beschäftigungszeitraums unter der eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers liegt. Vergleichbar ist ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer des Betriebes mit derselben Art des Arbeitsverhältnisses und der gleichen oder einer ähnlichen Tätigkeit. Gibt es im Betrieb keinen vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer, so ist der vergleichbare vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer auf Grund des anwendbaren Tarifvertrages zu bestimmen; in allen anderen Fällen ist darauf abzustellen, wer im jeweiligen Wirtschaftszweigüblicherweise als vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer anzusehen ist.


Wie prüft man, ob nun Vollzeit oder Teilzeit vorliegt?

Bei der Prüfung, ob nun im Arbeitsverhältnis ein Vollzeitjob oder eine Teilzeitstelle vorliegt, sollte man eine bestimmte Prüfungsreihenfolge beachten.

Prüfungsreihenfolge – Teilzeitstunden / Vollzeitstunden

Prüfungsmaßstab ist der Betrieb des Arbeitnehmers. Hier ist zunächst ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter zu suchen. Arbeitet der Arbeitnehmer regelmäßig weniger, liegt Teilzeit vor.

Gibt es im Betrieb keinen vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer ist auf den Branchentarifvertrag abzustellen, in dem fast immer die regelmäßige Arbeitszeit geregelt ist. Arbeitet der Arbeitnehmer regelmäßig weniger, so ist er Teilzeitarbeiter.

Maßstab der Vergleichbarkeit

Bei der Frage der Vergleichbarkeit von Arbeitnehmer ist hauptsächlich auf zwei Kriterien abzustellen:

  • dieselbe Art des Arbeitsverhältnisses (z. B. befristeteter oder unbefristeter Arbeitsvertrag) und
  • gleiche oder eine ähnliche Tätigkeit 

Betriebsmaßstab

Es ist auf den Betrieb abzustellen. Dies heißt auch, dass es zunächst auf den regelmäßige Arbeitszeit vergleichbarer Arbeitnehmer ankommt.

Wie ermittelt man denn nun einfach, ob eine Vollzeitbeschäftigung oder Teilzeitbeschäftigung vorliegt?

Am nachfolgenden Beispiel sieht man, dass es gar nicht so schwierig ist die vollzeitige Arbeitszeit von der teilzeitigen Arbeitszeit abzugrenzen.

Konsequenzen / Beispiel:

Achtung! Wenn im Betrieb alle Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmer, die eine bestimmte Tätigkeit verrichten, regelmäßig z.B. 30 Stunden arbeiten, dann ist dies im Zweifel „Vollzeit“ im jeweiligen Betrieb. Es ist sogar möglich, dass innerhalb eines Betriebes – zwischen Arbeitnehmergruppen (mit unterschiedlichen Tätigkeiten) – unterschiedliche Vollzeiten bestehen (z.B. Bürokräfte 30 Stunden und Monteure 35 Stunden).


Abgrenzung Vollzeitjob und Teilzeitbeschäftigung
Ab

Was ist eine Vollzeitarbeitnehmer?

Dies ist ein Arbeitnehmer, der in Vollzeit im Betrieb arbeitet und die dort übliche, maximale Arbeitszeit ohne Überstunden und unter Beachtung der Höchstarbeitszeiten nach dem Arbeitszeitgesetz ableistet. Dieser Arbeitnehmer hat dann einen Vollzeitjob.

Ist eine 35-Stunden-Woche – Vollzeit oder Teilzeit?

Dies ist eine oft gestellt Frage. Grundsätzlich dürfte in den meisten Fällen eine 35-Stunden-Woche eine Teilzeitbeschäftigung darstellen. Es kann hier aber Ausnahmen geben, wenn nämlich dies die übliche, regelmäßige Höchstarbeitszeit im Betrieb ist. Denkbar ist dies bei großen Betrieben (Automobilbranche) mit entsprechenden Tarifverträgen. Aber auch im Kleinbetrieb kann dies Vollzeit sein, wenn einer länger regelmäßig als 35 Stunden arbeitet.

Beispiel: Im Betrieb des A arbeiten ingesamt 30 Arbeitnehmer. 5 davon haben laut Arbeitsvertrag eine regelmäßige Arbeitszeit von 35 h pro Woche. 20 Arbeitnehmer sollen laut Arbeitsverhältnis 30 h pro Woche arbeiten und und 5 mit 20 Arbeitsstunden pro Woche. Ein Teil der Arbeitnehmer macht aber regelmäßig Überstunden und arbeitet wenigstens 40 h pro Woche.

Ergebnis: Die Vollzeit beträgt im obigen Betrieb 35 h pro Woche. Die Überstünden sind unerheblich, da diese über die regelmäßige Arbeitszeit im Arbeitsvertrag liegen.

Wie viele Stunden im Monat sind eine Vollzeitjob?

Auf die Monatsarbeitszeit kommt es nur dann an, wenn die regelmäßige Arbeitszeit im Betrieb mit Monatsstunden angegeben sind, was selten vorkommt.

Beispiel: „Im Arbeitsvertrag steht: Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 174 h pro Monat.“

Hier wäre dann – siehe Beispiel – ausnahmsweise auf die Arbeitszeit pro Monat abzustellen. Hier gilt das oben Ausgeführte. Es kommt darauf an, was im Betrieb an monatlicher regelmäßiger Vollarbeitszeit (Höchstarbeitszeit) abzüglich von Überstunden üblich ist. Eine 40-Stundenwoche entspricht einer monatlichen Arbeitszeit von 174 Arbeitsstunden.


Wie viele Stunden pro Monat sind Teilzeit?

Teilzeit ist logischerweise jede regelmäßige Arbeitszeit, die weniger als die Vollzeitbeschäftigung im Betrieb ist. Wenn also die höchstmögliche regelmäßige Arbeitszeit im Betrieb 40 h sind, dann ist dies in der Regel die Vollzeit. Jede vergleichbare Tätigkeit im Betrieb mit einer geringeren regelmäßigen Arbeitszeit ist dann Teilzeit!

Darf ein Teilzeitbeschäftigter benachteiligt werden?

Arbeitnehmer, die in Teilzeit im Betrieb arbeiten, dürfen vom Arbeitgeber nicht gegenüber Mitarbeitern mit Vollzeitstunden benachteiligt werden. Der Arbeitgeber muss dies stets beachten.

Mehrarbeitszuschläge und Überstunden beim Vollzeitjob und Teilzeitjob

Nach dem Bundesarbeitsgericht (BAG, 19.12.2018 – 10 AZR 231/18) liegt eine unzulässige Diskriminierung nach § 4 Abs. 1 TzBfG von Teilzeitbeschäftigten vor, wenn ein Anspruch auf Mehrarbeitszuschläge gemäß einer tariflichen Regelung erst dann begründet wird, wenn die für eine Vollzeittätigkeit geltende Stundenzahl überschritten wird.

Darf bei der Weigerung des Arbeitnehmers von Vollzeit in Teilzeit oder umgekehrt zu wechseln, gekündigt werden?

Weiter ist auch eine Kündigung, die wegen der Verweigerung des Arbeitnehmers von Teilzeit zu Vollzeit zu wechseln oder umgekehrt, nichtig (§ 11 Teilzeit- und Befristungsgesetz). Dies ist ein gesetzliches Kündigungsverbot.


Was ist Brückenteilzeit?

Seit dem Jahr 2019 haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine (vorübergehende) befristete Teilzeit. Dies nennt man Brückenteilzeit. Die Möglichkeit der vorübergehenden Reduzierung der Arbeitszeit nutzten aber noch wenige Beschäftigte bisher. 

Was ist Altersteilzeit?

Die Altersteilzeit ist ein Modell für den Arbeitnehmer zur Arbeitszeitverkürzung vor dessen Rente. Dabei wird die verbleibende Arbeitszeit des Arbeitnehmers bis zur Rente halbiert. Der Arbeitgeber stockt dann das reduzierte Gehalt auf und zahlt zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge. Das Ziel ist dabei dem Arbeitnehmer einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen und die Arbeitsplätze neu mit Mitarbeitern zu besetzen.


Teilzeitjob und Mindeststunden – neue Rechtsprechung des BAG?

Das Bundesarbeitsgericht sieht nun – wenn klar ist, dass eine Teilzeitarbeit vereinbart werden sollte – wenigstens die Stunden der Arbeit auf Abruf als vereinbart an (§ 12 Teilzeit- und Befristungsgesetz)

Keine Vollzeit = Teilzeit

Die ursprüngliche Rechtsprechung, wonach im Zweifel Vollzeit vereinbart ist, wenn dies aus dem Arbeitsvertrag nicht eindeutig hervorgeht, hat das BAG nun stark eingeschränkt (BAG 8. Oktober 2008 – 5 AZR 715/07). Wenn klar ist, dass die Parteien keine Vollzeit vereinbaren wollten, dann gilt Teilzeit  als vereinbart.

der Fall des Bundesarbeitsgerichts

Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten eine „Festbeschäftigung mit flexibler Arbeitszeit nach den betrieblichen Erfordernissen“ vereinbart ohne deren Umfang anzugeben. Der Arbeitnehmer arbeitete dann zwei Monate länger als 39 Stunden pro Woche und damit mehr als die regelmäßige Arbeitszeit der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer im Betrieb und dann in den nächsten Monaten arbeitete er eine geringere Arbeitszeit. Der Arbeitnehmer verklagte später den Arbeitgeber – für diese Monate – zur Zahlung der Vergütung im Umfang eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers (unter Abzug der bereits erhaltenen „Teilzeitvergütung„). Das Bundesarbeitsgericht lehnte dies ab und meinte, es ist Teilzeit und nicht Vollzeit vereinbart worden und das BAG ging von einem  Arbeitsverhältnis auf Abruf aus.


Was ist Arbeit auf Abruf?

Arbeit auf Abruf ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die regelmäßige Arbeitszeit. Hierbei bestimmt sich die Arbeitszeit nach dem Bedarf des Arbeitgebers. Dieser kann den Arbeitnehmer spontan, auf Abruf, Arbeit zuweisen. Eine flexible Arbeitszeit ist vereinbart.

Wichtig: Arbeit auf Abruf hat nichts mit der Vereinbarung eines Arbeitszeitkontos zu tun. In vielen Vollzeitarbeitsverhältnissen gibt es ein Arbeitszeitkonto.

Keine Mindestarbeitszeit = Arbeit auf Abruf

Das Problem, dass man dann immer noch nicht weiß, wie viele Stunden der Arbeitnehmer nun an regelmäßiger Arbeitszeit hat, hat das Bundesarbeitsgericht dadurch gelöst, dass es dann von den Mindeststunden der Arbeit auf Abruf nach § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ausgeht  (BAG, Urteil vom 24.9.2014 – 5 AZR 1024/12).

Wie viele Stunden an Arbeitszeit sind bei Arbeit auf Abruf vereinbart?

Hat der Arbeitgeber nicht mit dem Arbeitnehmer die regelmäßiger Arbeitszeit (bei Teilzeit) vereinbart, dann gilt die Bestimmung des § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes, die lautet:

§ 12 Arbeit auf Abruf

(1) Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat (Arbeit auf Abruf). Die Vereinbarung muss eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegen. Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von zehn Stunden als vereinbart. Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen.

(2) Der Arbeitnehmer ist nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber ihm die Lage seiner Arbeitszeit jeweils mindestens vier Tage im Voraus mitteilt.

(3) Durch Tarifvertrag kann von den Absätzen 1 und 2 auch zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden, wenn der Tarifvertrag Regelungen über die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit und die Vorankündigungsfrist vorsieht. Im Geltungsbereich eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anwendung der tariflichen Regelungen über die Arbeit auf Abruf vereinbaren.

Danach sind also 10 Stunden pro Woche vom Arbeitgeber zu zahlen. Dies ist auch die Mindeststundenzahl der Arbeit auf Abruf.


Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.9.2014 – 5 AZR 1024/12

Ausgehend vom Wortlaut der Klausel haben die Parteien ausdrücklich keine Vollzeitbeschäftigung, sondern eine Festbeschäftigung mit flexibler Arbeitszeit nach den betrieblichen Erfordernissen vereinbart. Die Bezeichnung der Beschäftigung als „fest“ dokumentiert zwar den Willen verständiger und redlicher Vertragspartner, dass innerhalb der zuvor in § 1 Satz 1 Arbeitsvertrag fixierten Dauer des Arbeitsverhältnisses der Arbeitnehmer nicht nur gelegentlich zur Aushilfe, sondern stetig zur Arbeitsleistung herangezogen wird. Der Umfang der dabei zu leistenden Arbeitszeit ist aber offengelassen worden. Sie soll flexibel – also veränderlich – sein und sich nach den betrieblichen Erfordernissen – also dem Arbeitsanfall und dem Beschäftigungsbedarf – richten. Verbunden mit dem Fehlen jeglichen Hinweises auf eine bestimmte Dauer der Arbeitszeit darf bei einer derartigen Klausel ein verständiger Arbeitnehmer redlicherweise nicht annehmen, es solle ein Vollzeitarbeitsverhältnis begründet werden. Er muss vielmehr davon ausgehen, dass nicht nur die Lage, sondern auch die Dauer der Arbeitszeit variabel ist und die regelmäßige Arbeitszeit im Durchschnitt des vereinbarten Beschäftigungsjahres unter der eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers bleibt, er also teilzeitbeschäftigt (§ 2 Abs. 1 Satz 2 TzBfG) ist.

………

Für die vom Landesarbeitsgericht angewendete Regel, wonach bei Fehlen einer Teilzeitvereinbarung im Zweifel ein Vollzeitarbeitsverhältnis begründet werde (vgl. BAG 8. Oktober 2008 – 5 AZR 715/07 – Rn. 19; 15. Mai 2013 – 10 AZR 325/12 – Rn. 19) ist danach kein Raum.

Damit ist die ursprüngliche Rechtsprechung – die sehr arbeitnehmerfreundlich war – überholt.

Früher hatt man hier darauf abgestellt, wie viele Stunden der Arbeitnehmer im Durchschnitt in der Vergangenheit gearbeitet hatte.

Das BAG sieht dies nun anders, wenn klar ist, dass der Arbeitnehmer laut Arbeitsvertrag nicht in Vollzeit arbeiten sollte (Stichwort: flexible Arbeitszeit).

Das Bundesarbeitsgericht orientiert sich nun an § 12 des Teilzeit -und Befristungsgesetzes. Dort ist die Arbeit auf Abruf geregelt:

Wichtig ist, dass dies nur gilt, wenn es keine anderen Vereinbarungen im Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag gibt.


Sonderprobleme: Urlaub und Einsatz am Wochenende

Auch die Problematik des Urlaubs beim Wechsel von Vollzeitstunden in eine Teilzeitbeschäftigung ist zu beachten. Weiter ist auch interessant, wie der Einsatz von Teilzeitarbeitnehmern bei der Arbeit am Wochenende zu erfolgen hat.


Weitere Artikel nebst Urteile des Arbeitsgericht zur Problematik Vollzeit und Teilzeit:

  1. Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit – was ist mit dem Urlaub?
  2. Arbeit am Wochenende bei Teilzeit?
  3. BAG – was ist Beschäftigung in Vollzeit?
  4. Ausbildungsvergütung kann bei Teilzeit gekürzt werden!
  5. Urlaub für Freistellungsphase bei Altersteilzeit im Blockmodell
  6. fristlose Kündigung ist auch während der Freistellungsphase in der Altersteilzeit möglich
  7. Familienfeindliche Teilzeit zulässig?
  8. Altersteilzeit – rückwirkender Vertragsschluss ist unwirksam, so das BAG!
  9. Was sind unständig Beschäftigte?
  10. BAG: Dauer der Arbeitszeit bei fehlender Vereinbarung im Arbeitsvertrag
  11. BAG: Befristung einzelner Arbeitsbedingungen – hier regelmäßige Arbeitszeit

Zusammenfassung:

Wenn keine regelmäßige Arbeitszeit im Arbeitsvertrag benannt wurde:

Ist sich der Arbeitnehmer nicht sicher, ob er einen Vollzeitjob oder nur Teilzeit hat, sollte er im Betrieb seine regelmäßige Arbeitszeit mit der von vergleichbaren Arbeitnehmer überprüfen. Man muss sich die Frage stellen, wie lang arbeiten andere Arbeitnehmer in der Regel (ohne Überstunden), die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben. Die regelmäßige Arbeitszeit der Arbeitnehmer ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag oder aus einem Tarifvertrag. Diejenigen, die dann am längsten Arbeiten ohne Überstunden zu machen, sind Vollzeitarbeitnehmer. Wenn also ein Teil der Maschinenbauer im Betrieb laut Arbeitsvertrag 30 h, ein anderer Teil 35 h und wieder andere 40 h pro Woche arbeiten sollen, dann ist die Vollzeit im Betrieb für diese Berufsgruppe 40 h pro Woche.

Wurde Teilzeit ausdrücklich vereinbart oder eine flexible Arbeitszeit sind wenigstens 10 Stunden pro Woche als regelmäßige Arbeitszeit zu zahlen. Dies gilt auch bei Krankheit (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall).

Etwas anderes kann sich aber ergeben, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich regelmäßig Vollzeit arbeitet. Dann kommt es – meiner Meinung nach – nicht darauf an, was im Arbeitsvertrag vereinbart ist, sondern, wie das Arbeitsverhältnis „gelebt“ wurde.


Rechtsanwalt Andreas Martin – Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin