Praktikum

Vorsicht! Praktikum kann für den Arbeitgeber teuer werden!

Gepostet am Aktualisiert am


Generation Praktikum; eine solche Bezeichnung wird häufig als Schlagzeile in diversen Journalen und Magazinen verwendet. Eigentlich müsstes es heißen „Generation unfreiwilliges Praktikum„, denn viele Berufsanfänger wollen über ein angebotenes Praktikum eine feste Anstellung erreichen. Dies macht auch Sinn, wenn beide Seiten mit offenen Karten spielen und tatsächlich ein Praktikum stattfindet und keine reine Tätigkeit als Arbeitnehmer. Ich verweise auf den Artikel „Praktikanten können einen Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!„.

Arbeitnehmer oder Praktikant?

Wird der Praktikant aber als Arbeitnehmer eingesetzt, d.h. dass eben keine „Ausbildung“ erfolgt, sondern er Arbeiten, wie ein normaler Arbeitnehmer verrichtet, dann muss er auch, wie ein Arbeitnehmer bezahlt werden. Dann ist darauf abzustellen, was ein Arbeitnehmer in dieser Branche und in der Region normalerweise durchschnittlich verdient. Erreicht die „Praktikumsvergütung“ nicht einmal 2/3 der üblichen Vergütung, dann ist die Lohnabrede sittenwidrig (§ 138 BGB) und der Arbeitgeber hat den üblichen Lohn zu zahlen. In der Regel wird man auf einschlägige Tarifverträge abstellen.

Arbeitsgericht Berlin

Bereits im  Jahr 2007 (ArbG Berlin- Entscheidung vom 10.08.2007 – 28 Ca 6934/07) hat das Arbeitsgericht Berlin einer ehemaligen Praktikantin eine Nachzahlung von € 10.000,00 zugesprochen, da rein faktisch ein „Scheinpraktikum“ vorgelegen hat. Das Arbeitsgericht Berlin betonte nochmals, dass die Bezeichnung (Praktikum)  im Vertrag keine Rolle spielt. Liegt in Wirklichkeit ein Arbeitsverhältnis vor und ist der Lohn sittenwidrig, hat der Praktikant/Arbeitnehmer einen Anspruch auf Nachzahlung des üblichen Arbeitslohnes.

Das Arbeitsgericht Berlin führt aus:

„Im Klartext: Ob es sich um ein Arbeitsverhältnis handelt oder nicht, richtet sich – sofern ein Ausbildungsverhältnis nicht schon aus aufsichtsrechtlichen Gründen zu verneinen ist 97 – keineswegs danach, wie die Beteiligten ihre Beziehung bezeichnet haben 98 . Entscheidend ist vielmehr, ob der Betroffene nach allgemeinen Grundsätzen und namentlich angesichts des tatsächlich gepflogenen Umgangs miteinander als Arbeitnehmer anzusehen ist 99 . – In den Worten einer neueren Entscheidung des Sechsten Senats des BAG 100 :

„a) Arbeitnehmer ist, wer auf Grund eines privatrechtlichen Vertrages im Dienst eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet ist (…). Der Arbeitnehmer erbringt seine vertraglich geschuldete Leistung im Rahmen einer von Dritten bestimmten Arbeitsorganisation. Seine Eingliederung in die Arbeitsorganisation zeigt sich insbesondere darin, dass er einem Weisungsrecht unterliegt, das Inhalt, Durchführung, Zeit, Dauer und Ort der Tätigkeit betreffen kann (…).

b) Demgegenüber ist ein Praktikant in aller Regel vorübergehend in einem Betrieb praktisch tätig, um sich die zur Vorbereitung auf einen – meist akademischen – Beruf notwendigen praktischen Kenntnisse und Erfahrungen anzueignen. Allerdings findet in einem Praktikantenverhältnis keine systematische Berufsausbildung statt. Vielmehr wird eine darauf beruhende Tätigkeit häufig Teil einer Gesamtausbildung sein und beispielsweise für die Zulassung zum Studium oder Beruf benötigt ( BAG 19. Juni 1974 – 4 AZR 436/76 – BAGE 26, 198 = AP § 3 BAT Nr. 3 = EzA BBiG § 19 Nr. 1; ErfArbR/ Monika Schlachter , 3. Auflage, § 19 BBiG Rn. 3). Demnach steht bei einem Praktikantenverhältnis ein Ausbildungszweck im Vordergrund. Die Vergütung ist der Höhe nach deshalb auch eher eine Aufwandsentschädigung oder Beihilfe zum Lebensunterhalt„.

Durch die Einführung des Mindestlohngesetzes ist nun ein unentgeltliches Praktikum ohnehin nur noch in Ausnahmefällen möglich.

www.rechtsanwalt-arbeitsrecht-in-berlin.de

Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!

Gepostet am


Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!

Wie selbstverständlich geht man eigentlich davon aus, dass ein Praktikant keinen Anspruch auf Arbeitsvergütung hat. In vielen Fällen ist dies auch richtig. In einigen aber nicht! Und gerade diese Fälle können den Arbeitgeber erhebliche Kopfschmerzen bescheren.

das normale Praktikum

Im Normalfall wird ein Praktikum absolviert, um sich Fähigkeiten und Kenntnisse im Praktikumsbetrieb zu erwerben. Dabei steht das Lernen und die Ausbildung an erster Stelle. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn der Arbeitgeber für die Ausbildung auch Kapazitäten zur Verfügung stellt. Im Normalfall wird der Praktikant von einen anderen Arbeitnehmer betreut und eingewiesen. Für den Arbeitgeber bedeutet dies einen gewissen Aufwand. Andererseits kann der Arbeitgeber „testen“, ob der Praktikant als potentieller Arbeitnehmer inFrage kommt . Ein solches Praktikum wird im Normalfall nicht vergütet.

Scheinpraktikum und Vergütung

Anders ist dies beim sog. Scheinpraktikum, welches in der Praxis ebenfalls häufig vorkommt. Hier geht zwar der Praktikant mit der Hoffnung in das Praktikum einen potentiellen Arbeitgeber zu finden bzw. Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, der Arbeitgeber selbst sucht aber eigentlich nur jemanden, der kostenlos die Tätigkeit eines Arbeitnehmers verrichtet.

In der Praxis sieht dies so aus, dass kaum eine Einarbeitung erfolgt bzw. diese gar nicht notwendig ist und der Praktikant – eigentlich ohne Unterschied zum normalen Arbeitnehmer – die im Betrieb übliche Arbeit verrichtet. Eine solche Tätigkeit ist – unabhängig von der Bezeichung im „Praktikumsvertrag“ – ein Arbeitsverhältnis. Hier steht die Ausbildung nicht an erster Stelle, sondern es geht allein um die Arbeitsleistung, die für den Arbeitgeber erbracht werden soll. Der Praktikant ist hier  „weisungsgebunden in den Betrieb eingebunden“.

Hier liegt ein Arbeitsverhälnits vor, so dass der Arbeitgeber die übliche Vergütung für die Tätigkeit im Betrieb schuldet. Es kommt nicht darauf an, wie das Rechtsverhältnis im „Praktikumsvertrag“ bezeichnet wird, sondern darum, wie es tatsächlich in der Praxis ausgestaltet ist.

Zusammenfassung –  Für ein Scheinpratikum und damit für eine Vergütungspflicht spricht:

  • Arbeitsleistung steht im Vordergrund
  • Erlangen von Kenntnissen und Fähigkeiten steht im Hintergrund
  • kaum Einarbeitung und Vermittlung von Kenntnissen
  • kaum Unterschied zu „normalen“ Arbeitnehmern in Betrieb
  • Eingliederung in den betriebliche Organisation

Die übliche Vergütung kann der Praktikant einklagen. Zu beachten ist, dass es durchaus sein kann, dass tarifvertragliche Ausschlussfristen zu beachten sind, so dass der Anspruch nach Ablauf dieser Fristen verfällt (so z.B. beim BRTV-Bau).

A. Martin-Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin

 Arbeitsrecht Berlin
Arbeitsrecht Berlin