Naturereignis

Kündigung wegen der Aschewolke?

Gepostet am Aktualisiert am


Kündigung durch den Arbeitgeber wegen der Aschewolke?

– Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin – Anwalt Martin –

Zurzeit liegt der Flugverkehr über Deutschland lahm. Einige wenige Flüge finden per Sichtflug statt und viele Urlauber stehen mit gepackten Koffern im Urlaubsland und können den „erzwungenen Resturlaub“ nicht so richtig genießen. Der Arbeitgeber genießt die Situation noch viel weniger und fragt sich vielleicht, ob er nicht die Gelegenheit nutzten könnte, um einen unliebsamen Arbeitnehmer loszuwerden. D

Die Frage ist also, darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer wegen des Nichtantritts zur Arbeit einfach kündigen?

Die Verspätung des Arbeitnehmers bei der Arbeitsaufnahme kann grundsätzlich eine Kündigung aus verhaltensbedingten Gründen rechtfertigen. Im Normalfall ist vorher abzumahnen. In den vorliegenden Fällen – aufgrund des Vulkanausbruches – ist es den Arbeitnehmern aber nicht möglich rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen. Und dies aus Gründen, die die Arbeitnehmer nicht zu vertreten haben (Stichwort „höhere Gewalt“). Der Arbeitnehmer handelt hier nicht pflichtwidrig. Eine Kündigung scheidet hier also aus.

Der Arbeitgeber muss allerdings auch keinen Lohn zahlen.

Beispiel einer Entscheidung zum Thema:  LAG Rheinland-Pfalz Urteil vom 30.03.2006 – 11 Sa 892/05

„Der Arbeitnehmer verletzt durch nicht pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz seine Arbeitspflicht. Wiederholtes unentschuldigtes Fehlen und wiederholte  Verspätungen  des Arbeitnehmers sind daher nach vorheriger Abmahnung grundsätzlich dazu geeignet, eine ordentliche Kündigung  aus verhaltensbedingten Gründen sozial zu rechtfertigen. Beruht eine  Verspätung  allerdings auf unvorhersehbaren Ereignissen (z.B. auf Naturereignissen), so liegt keine Pflichtwidrigkeit vor. Beruhen die  Verspätungen  auf einem vorwerfbaren Verhalten des Arbeitnehmers, so sind im Rahmen der Interessenabwägung insbesondere die Ursachen (z.B. familiäre Verpflichtungen), die Häufigkeit und Dauer der  Verspätungen  sowie die unbelastete Dauer des Arbeitsverhältnisses) zu berücksichtigen .“

Aber auch: LAG Düsseldorf Urteil vom 26.03.1985 – 3 Sa 1688/84

„Verlängert der Arbeitnehmer den ihm wegen Erkrankung eines nahen Angehörigen bewilligten Urlaub eigenmächtig, so ist der Arbeitgeber unter Umständen zur fristlosen Kündigung berechtigt, auch wenn die Urlaubsverlängerung auf eine fortdauernde, allerdings nicht mehr lebensbedrohende Erkrankung des Angehörigen zurückzuführen ist.“

Rechtsanwalt Martin – Arbeitsrecht Berlin

Siehe auch: Verspätung wegen Glatteis

Kündigung bei wiederholter Verspätung

Wann rechtfertigen Verspätungen die Kündigung