Kurioses aus dem Juristenalltag

Der Wahlverteidiger, der so gerne Pflichtverteidiger gewesen wäre!

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Der Wahlverteidiger, der so gerne Pflichtverteidiger gewesen wäre!

Kollegen, die sich häufig mit dem Strafrecht beschäftigen, kennen sich aus und wissen auch, dass gute Strafmandate etwas sind, für die viele Kollegen hart kämpfen. Dabei wird nicht immer mit fairen Mitteln gekämpft und gerade Kollegen aus Städten mit einer hohen Anwaltsdichte scheinen manchmal nicht viel auf Kollegialität zu geben. Normal ist mittlerweile, dass Inhaftierte – im Auftrag – Werbung für ihren Verteidiger machen und dessen Vollmachten an Neuankömmlinge verteilen.

Was aber für mich überraschend war, ist, dass es anscheinend auch Kollegen gibt, die sich in bestehende Pflichtverteidigermandate drängen wollen und damit den Mandanten auch schon mal raten, was er denn sagen soll, weshalb das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Pflichtverteidiger nicht mehr besteht.

So hat es sich auch bei mir zugetragen. Ein Kollege aus Hamburg, der den weiten Weg zu uns nicht gescheut hat, um dort einen inhaftierten Mandanten einzureden, dass er falsch beraten wurde. Er soll zum Geständnis überredet worden sein, was ja alles nicht stimmte. So wollte sich der liebe Kollege erreichen, dass die Pflichtverteidigerbestellung aufgehoben wird und er als Wahlverteidiger dann selbst zum Pflichtverteidiger bestellt werden kann. Allerdings war der Richter anderer Meinung, obwohl der (polnische)  Mandant bekundete, dass kein Vertrauen mehr da ist.

Kurz vor dem Termin legte dann der rührige Kollege das Wahlverteidigermandat nieder, da es wohl finanziell nicht mehr lohnenswert erschien so weit zu reisen. Der Mandant kam dann auch mit gesenktem Kopf zur Hauptverhandlung, denn auch er wusste, dass er sein Wahlverteidiger „stiften gegangen ist“.

Der Mandant, der all die bösen Sachen über mich gesagt hatte, kam dann reumütig an und fragte, was er denn nun machen solle. Nachtragend sollte man als Anwalt ja nicht sein (obwohl den Kollegen aus Hamburg, den merke ich mir schon) und so folgte nochmals eine kurze Beratung und nun – wie von Zauberhand – war die Verteidigerstrategie nun doch nicht so schlecht, zumindest gut genug, um diese zu befolgen.

Der Kollege in Hamburg wird sich wohl in der Zwischenzeit nach einem neuen Opfer umgesehen haben. Vielleicht meldet er sich mal bei Ihnen oder bei Ihren Mandanten?

Rechtsanwalt A. Martin

Mein Hund ist im Garten!

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Mein Hund ist im Garten!

Tierliebe ist eine tolle Sache! Man ist erstaunt, dass sogar Straftäter mit feuchten Augen von ihrem „Waldi“ berichten, der im eigenen Garten( haust ) wohnt. Dass der „Waldi“ in bischen bissig ist und keinen an sich ran lässt und von daher alle Angst vor ihm haben, na ja, das zeigt doch nur, wie sehr er sein Herrchen liebt.

Solche schönen Tiergeschichten hört man als Rechtsanwalt ab und zu und ist immer wieder beeindruckt, zu welcher Tierliebe auch Straftäter fähig sein können. Dumm ist nur, wenn derjenige, der dies erzählt, gerade in Untersuchungshaft sitzt und zwar seit 6 Wochen und der Waldi die ganze Zeit über im Garten „gewartet“ hat. Dass der Waldi nach so langer Zeit des Wartens ein bischen hungrig sein dürfte, kann man sich vorstellen. Über die Hitze will ich gar nicht erst sprechen.

Auf die Frage, wer den Waldi denn jetzt versorgt, wird beiläufig mitgeteilt: „Eigentlich niemand, es sei denn, dass jemand etwas über den Zaun wirft, da sich ja keiner auf das Grundstück traut (Waldi ist ja bissig).“

Ob unter diesen Umständen – nach 6 Wochen – der Waldi immer noch im Garten „wartet„, ist fraglich.

RA A. Martin

Außerirdische am Amtsgericht?

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Außerirdische am Amtsgericht?

In einer Strafsache – Trunkenheitsfahrt (Gefährdung des Straßenverkehrs) -wurde der Angeklagte am Morgen vor seinem Haus volltrunken in seinem Auto gefunden. In der Nacht hatte man ihn an anderer Stelle gesehen. Die Trunkenheitsfahrt selbst hatte aber niemand gesehen. Das Amtsgericht ging ohne Weiteres davon aus, dass eine Trunkenheitsfahrt vorgelegen habe, da ein anderer Geschehensverlauf nicht denkbar wäre. Auf die dann vom Angeklagten geäußerten Zweifel meinte der Vorsitzende trocken: “ Wie sind Sie denn sonst nach Hause gekommen! Wollen Sie hier erzählen, dass Sie von Außerirdischen nach Hause gebracht wurden!?“.

Der Richter war als „Spitzbub“ bekannt und hatte schon häufiger mal einen flotten Spruch zum Besten gegeben.

Letztendlich kam es tatsächlich zur Verurteilung (der Angeklagte war nicht anwaltlich vertreten – also ich war`s nicht !).

Später ging dann der „Entführte“ zum Anwalt und bat dort um Hilfe. Er möchte gern wissen, wie er denn nach Hause gekommen sei. Er wisse es selbst nicht! Er bat den Rechtsanwalt darum, dass dieser doch in der Sache ermitteln solle, da ihn die Sache keine Ruhe mehr lasse. Wegen der MPU habe er keine Angst, da er bereits das Husarenstück schaffte 2 x die MPU zu bestehen.

Der Anwalt lehnte dankend ab.

Inwieweit nun tatsächlich Außerirdische die Finger (bei der Verurteilung oder beim Geschehen) im Spiel hatten, konnte später auch nicht aufgeklärt werden.  Zumindest wurde damals keiner als Zeuge geladen („Beweis: Zeugnis des Herrr Jupiter, Am Mond 5, XXXX Luna“ oder noch besser „zu laden über den Angeklagten – aber nur bei Vollmond“).

A. Martin

Ist das normal? Nein, das ist modern!

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Ist das normal?  Nein, das ist modern!

Wenn sie auf die Frage, ob das hier  normal ist, die Antwort hören, „nein, das ist modern“, dann kann es sein, dass Sie gerade mit ihrem Kfz an der polnisch- ukrainischen Grenze  stehen und Ihr Gesprächspartner ein netter ukrainischer Zollbeamter ist. Diese möchte Ihnen gern bei der Einreise behilflich sein und bietet seine Dienste an. Das Ausfüllen des Einreiseformulars sei doch recht schwierig, aber er könne da doch helfen, natürlich gegen Zahlung  einer kleinen „Dienstleistungsgebühr“. Diese „Gebühr“ solle man doch zusammen mit dem Formular einfach mal hier abgeben. Nein, mit Bestechung habe dies nichts zu tun, dies sei faktische eine „Dienstleistung am einreisenden Kunden“. Es müsse ja auch nicht viel sein, so €10 bis € 20. Dann ginge ohnehin die Einreise viel schneller und man müssen nicht so lange warten.  Dies sei nicht normal, sondern modern!

Ach und noch „willkommen in der Ukraine“!

Als mein Bekannter zunächst  nicht bereit war diese kleine Gebühr zu zahlen, versuchte er das Einreiseformular selbst auszufüllen. Obwohl er perfekt Russisch sprach, gelangt es ihm nicht, zumindest nach der Ansicht des freundlichen Ganoven bzw.  Zollbeamten . Wie von Geisterhand fanden sich immer wieder Fehler im Formular und die Zeit verging …. . Als auch beim dritten Mal der „dienstleistungsfreudige Beamte“ immer noch Fehler fand (diesmal war „nicht sauber genug geschrieben worden“), entschied sich mein Bekannter – der mit Frau und Kind nun schon seit einiger Zeit am Grenzübergang wartete – einfach mal „modern“ zu sein! Und siehe da, die Einreise klappte reibungslos! Auf einmal war die Schrift doch gar nicht mehr so schlecht leserlich und man konnte weiterfahren.

Was sagt uns das?

In der Ukraine ist man viel moderner als wir dies bisher immer gelaubt haben!

Wenn Sie auch modern sein wollen, passen Sie besser auf, dass Sie nicht erwischt werden!

RA A. Martin – Arbeitsrecht Berlin