graphologisches Gutachten

Handgeschriebener Lebenslauf – Einholung eines graphologischen Gutachtens zulässig?

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Handgeschriebener Lebenslauf – Einholung eines graphologischen Gutachtens zulässig?

Arbeitsrecht Berlin – Rechtsanwalt A. Martin

Es ist immer noch üblich, dass Arbeitgeber als Bewerbungsvoraussetzung einen handgeschriebenen Lebenslauf verlangen. Wenn dem so ist, sollte der Arbeitnehmer aufhorchen, denn es kann sein, dass der Arbeitgeber – gerade bei Führungspositionen – ein graphologisches Gutachten einholen möchte. Dies kommt häufiger vor, als man denkt. Die Frage stellt sich nun, ob der Arbeitgeber dies überhaupt darf?

Zustimmung über Einholung eines graphologischen Gutachtens

Das Bundesarbeitsgericht hat bereits entschieden, dass grundsätzlich die Einholung von graphologischen Gutachten zulässig ist (BAG, Entscheidung vom 16.09.1982, AP BGB §123, Nr. 24). Allerdings nur dann, wenn der Arbeitnehmer zuvor zugestimmt hat. Die Einholung von solchen Gutachten ohne Zustimmung ist schlichtweg unzulässig.

Einige Arbeitgeber meinen aber, dass in der einfachen Übersendung des handgeschriebenen Lebenslaufes bereits eine stillschweigende Einwilligung zur Durchführung eines graphologischen Gutachtens liegt. Dies meint auch das Arbeitsgericht München (Entscheidung vom 14.04.1975, in NJW 1975, 1908). Hier kommt es auf den Einzelfall an. Wenn zum Beispiel der Arbeitgeber vor der Übersendung (als Hinweis für die Bewerber) mitgeteilt hat, dass ein graphologisches Gutachten eingeholt wird oder werden kann, dann ist die Übersendung des handgeschriebenen Lebenslaufes in der Regel die Zustimmung zur Einholung eines solchen Gutachtens.

Holt der Arbeitgeber ohne Zustimmung ein graphologisches Gutachten ein, dann macht er sich nach den §§ 823, 253 Abs. 2 BGB schadenersatzpflichtig.

RA A. Martin – Kanzlei Berlin