„Dummes Zeug“ – sagte die Richterin

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„Dummes Zeug“ – sagte die Richterin

Im Gerichtstermin anlässlich einer zivilrechtlichen Streitigkeit bei einem kleinen Amtsgericht in der Nähe von Rostock schien alles etwas anders zu sein als man dies bisher gewohnt war. Das Gericht setzte gleich 4 Termine auf die gleiche Uhrzeit an. Dann kam die Richterin, welche (zu) selbstbewusst auftrat und mit den Kollegen die einzelnen Fälle erörterte. Dabei schien das Gericht – wie von Geisterhand – immer die „richtige“ Rechtsauffassung zu kennen und wies in weiser Voraussicht schon mal einen Kollegen darauf, was er alles wohl nicht beweisen könne.

Als wir dran waren, argumentierte die Richterin sogleich los und wies den jungen Kollegen der Gegenseite gleich daraufhin, dass die Klage etwas dünn sei und ohnehin Verjährung in Betracht käme. Wenn es gut läuft, so man ja nicht unterbrechen und so führte der Kollege gleich einige „schlagkräftige Argumente“ ins Feld, um seinen Standpunkt zu untermauern. Daraufhin meinte die Richterin trocken „alles dummes Zeug„, holte tief Luft und stellte ihre Auffassung nochmals dar.

Letztendlich gab es dann zu den Hinweisen des Gerichts noch eine Erklärungsfrist.

Beim Rausgehen wünschte ich den „genickten Kollegen“ noch einen schönen Tag, was ehrlich auch gemeint war.

Mal wieder zeigt sich, dass Zurückhaltung – vor allem auf Richterseite – eine Tugend ist, die jedermann gut zu Gericht Gesicht steht.

RA A. Martin

6 Gedanken zu „„Dummes Zeug“ – sagte die Richterin

    RA Michael Langhans sagte:
    4. Oktober 2010 um 06:58

    Schade, wenn sich das Gericht der Diskussion verweigert. Ehrlich immerhin, wenn die Richterin sagt was sie denkt – egal obs angemessen ist oder nicht. Ich finds zwar auch so in dieser Ausprägung nicht passend, aber bevor sies nur denkt und nicht sagt und dann im Urteil erst auspackt ists so immer noch fairer…

    H.D. sagte:
    4. Oktober 2010 um 08:03

    Da ist offenbar eine gut vorbereitete Richterin, die tatsächlich auch etwas zu den Fällen sagen kann, die mündlich verhandelt werden sollen. Und dann ist das auch wieder nicht recht.

    Aber womöglich wird hier auch das Pokerface bevorzugt, das sybillinisch etwas davon äußert, dass es sich um einen schwierigen Fall handele und es deshalb nicht möglich sei, vorab zu sagen, wohin die Richtung gehe, da es erforderlich sei, vor der Entscheidung noch einmal – auch unter dem Eindruck der mündlichen verhandlung – in sich zu gehen…

    Interessant wäre es gewesen zu erfahren, ob die Gegenargumente des Gegners nicht vielleicht tatsächlich „dummes Zeug“ gewesen sind. Soll ja mitunter auch vorkommen. Die um das Wort „schlagkräftig“ gesetzten Anführungsstriche deuten dies zumindest an.

      rechtsanwaltarbeitsrechtberlin geantwortet:
      4. Oktober 2010 um 11:34

      Meiner Ansicht nach waren die Argumente nicht besonders schlagkräftig, aber dummes Zeug wohl nicht. Ansonsten gebe ich Ihnen Recht. Ein gut vorbereiteter Richter ist leider die Ausnahme und auch wünschenswert. Auch kann und soll der Richter seine Meinung vertreten aber Äußerungen, wie „dummes Zeug“ hat ein Richter nicht zu sagen.

    egal sagte:
    4. Oktober 2010 um 08:14

    Ob sie wohl ihre Urteile auch so begründet?

    cledrera sagte:
    4. Oktober 2010 um 08:35

    Wohl dem der eine Richterin hat, die ihre Meinung, sei sie auch noch so falsch, offen in der Verhandlung äußert.
    Ist faiererweise eine Erklärungsfrist eingeräumt, kann man ihr nahe bringen, was richtig ist.
    Ganz mies sind aber Hinweise auf eventuelle Verjährungen. Das ist eine Einrede!

      rechtsanwaltarbeitsrechtberlin geantwortet:
      4. Oktober 2010 um 11:30

      Die Sache mit der Verjährung war so, dass ich vorher die Einrede der Verjährung erhoben hatte und die Richterin dies dann aufgriff.

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