Arbeitsgericht Wuppertal: Kündigung wegen € 0,59 unwirksam!

Gepostet am


Kündigung wegen des Verdachts des Diebstahls eines Packets Binden unwirksam!

Immer wieder haben sich Arbeitsgerichte mit den sog. Diebstahlsfällen auseinanderzusetzen. Auch wenn im Fall der Berliner Verkäuferin (Emely) nun doch das Bundesarbeitsgericht entscheiden wird, ist anerkannt, dass selbst geringste Vermögensschädigungen des Arbeitgebers ausreichen, um eine außerordentliche Kündigung zu rechtsfertigen. Das Arbeitsgericht Wuppertal hat nun eine Kündigung wegen des Verdachts des Diebstahls eines Packets Binden im Wert von 0,59 Euro abgewiesen.

die Entscheidung des Arbeitsgerichtes Wuppertal:

Das Arbeitsgericht Wuppertal hatte sich mit folgenden Sachverhalt auseinanderzusetzen:

„Die seit 2001 beschäftigte Klägerin (Verkäuferin) benötigte nach Geschäftsschluss an einem Samstag noch ein Paket Binden. In Absprache mit einer Kollegin nahm sie ein Paket Binden mit und hinterlegte den Geldbetrag von 0,59 € auf einem Tisch im Aufenthaltsraum. Als am darauf folgenden Montag die Bezirksleiterin die Filiale bsuchte und fragte nach, wem das Geld auf dem Tisch gehöre, erklärte die Klägerin, dass dies ihr Geld sei und steckte es ein. Eine Bezahlung der Binden erfolgte nicht mehr. Nach Auffassung der Kammer konnte der Klägerin nicht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, dass sie zum Zeitpunkt des Einsteckens des Geldbetrages die Arbeitgeberin schädigen und sich selbst bereichern wollte.“

Wichtig ist, dass die obige Entscheidung keine Aussage darüber trifft, dass eine Kündigung wegen € 0,59 unverhältnismäßig ist. Allein aus Beweisgründen ist die Kündigung hier für unwirksam erklärt worden. Man muss davon ausgehen, dass bei einer Verkäuferin (Vertrauensstellung/ Kasse) selbst der Diebstahl oder die Unterschlagung von geringsten Beträgen für eine außerordentliche Kündigung ausreichen.

Übringens der Fall ist noch nicht zu Ende. Die Arbeitgeberin hat hier schwere Geschütze aufgefahren und gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Wuppertal Berufung zum Landesarbeitsgericht Düsseldorf eingelegt.

Dies ist aber noch nicht alles. Auch hat die Arbeitgeberin eine erneute Kündigung ausgesprochen und diesmal ein sog. Verdachtskündigung. Da man der Arbeitnehmerin den Diebstahl nicht nachweisen konnte, soll nun als Kündigungsgrund der Verdacht des Diebstahls ausreichen . Ein solches Vorgehen ist nicht von vornherein erfolglos, da auch in diesen Fällen sogar schon Verdachtskündigungen ausreichen können (siehe Fall Emely).

Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin – Anwalt A. Martin

Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin
Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin

Ein Gedanke zu „Arbeitsgericht Wuppertal: Kündigung wegen € 0,59 unwirksam!

    […] Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis des Arbeitnehmers haben.”. Dies ist z.B. beim Diebstahl durch eine Kassiererin der Fall, da diese in Bezug auf das ihr anvertraute Geld eine besondere Vertrauensstellung […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.