Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!

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Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!

Wie selbstverständlich geht man eigentlich davon aus, dass ein Praktikant keinen Anspruch auf Arbeitsvergütung hat. In vielen Fällen ist dies auch richtig. In einigen aber nicht! Und gerade diese Fälle können den Arbeitgeber erhebliche Kopfschmerzen bescheren.

das normale Praktikum

Im Normalfall wird ein Praktikum absolviert, um sich Fähigkeiten und Kenntnisse im Praktikumsbetrieb zu erwerben. Dabei steht das Lernen und die Ausbildung an erster Stelle. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn der Arbeitgeber für die Ausbildung auch Kapazitäten zur Verfügung stellt. Im Normalfall wird der Praktikant von einen anderen Arbeitnehmer betreut und eingewiesen. Für den Arbeitgeber bedeutet dies einen gewissen Aufwand. Andererseits kann der Arbeitgeber „testen“, ob der Praktikant als potentieller Arbeitnehmer inFrage kommt . Ein solches Praktikum wird im Normalfall nicht vergütet.

Scheinpraktikum und Vergütung

Anders ist dies beim sog. Scheinpraktikum, welches in der Praxis ebenfalls häufig vorkommt. Hier geht zwar der Praktikant mit der Hoffnung in das Praktikum einen potentiellen Arbeitgeber zu finden bzw. Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, der Arbeitgeber selbst sucht aber eigentlich nur jemanden, der kostenlos die Tätigkeit eines Arbeitnehmers verrichtet.

In der Praxis sieht dies so aus, dass kaum eine Einarbeitung erfolgt bzw. diese gar nicht notwendig ist und der Praktikant – eigentlich ohne Unterschied zum normalen Arbeitnehmer – die im Betrieb übliche Arbeit verrichtet. Eine solche Tätigkeit ist – unabhängig von der Bezeichung im „Praktikumsvertrag“ – ein Arbeitsverhältnis. Hier steht die Ausbildung nicht an erster Stelle, sondern es geht allein um die Arbeitsleistung, die für den Arbeitgeber erbracht werden soll. Der Praktikant ist hier  „weisungsgebunden in den Betrieb eingebunden“.

Hier liegt ein Arbeitsverhälnits vor, so dass der Arbeitgeber die übliche Vergütung für die Tätigkeit im Betrieb schuldet. Es kommt nicht darauf an, wie das Rechtsverhältnis im „Praktikumsvertrag“ bezeichnet wird, sondern darum, wie es tatsächlich in der Praxis ausgestaltet ist.

Zusammenfassung –  Für ein Scheinpratikum und damit für eine Vergütungspflicht spricht:

  • Arbeitsleistung steht im Vordergrund
  • Erlangen von Kenntnissen und Fähigkeiten steht im Hintergrund
  • kaum Einarbeitung und Vermittlung von Kenntnissen
  • kaum Unterschied zu „normalen“ Arbeitnehmern in Betrieb
  • Eingliederung in den betriebliche Organisation

Die übliche Vergütung kann der Praktikant einklagen. Zu beachten ist, dass es durchaus sein kann, dass tarifvertragliche Ausschlussfristen zu beachten sind, so dass der Anspruch nach Ablauf dieser Fristen verfällt (so z.B. beim BRTV-Bau).

A. Martin-Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin

 Arbeitsrecht Berlin
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4 Gedanken zu „Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!

    newstube.de sagte:
    13. Juli 2009 um 04:40

    Achtung – Praktikanten können Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben! « Rechtsanwalt Arbeitsrecht Berlin Blog…

    Wie selbstverständlich geht man eigentlich davon aus, dass ein Praktikant keinen Anspruch auf Arbeitsvergütung hat. In vielen Fällen ist dies auch richtig. In einigen aber nicht! Und gerade diese Fälle können den Arbeitgeber erhebliche Kopfschmerzen be…

    […] Achtung: Der Arbeitnehmer kann aber schon dann – auch wenn dies nicht so vereinbart wurde – einen Anspruch auf den vollen Arbeitslohn haben, wenn er gar nicht angelernt wird, sondern die Pflichten eines Arbeitnehmers hat und faktisch die Arbeit eines Arbeitnehmers verrichtet. Ich verweise dazu auf meinen Beitrag „Praktikanten können einen Anspruch auf Arbeitsvergütung haben.“. […]

    […] Generation Praktikum; eine solche Bezeichnung wird häufig als Schlagzeile in diversen Journalen und Magazinen verwendet. Eigentlich müsstes es heißen „Generation unfreiwilliges Praktikum„, denn viele Berufsanfänger wollen über ein angebotenes Praktikum eine feste Anstellung erreichen. Dies macht auch Sinn, wenn beide Seiten mit offenen Karten spielen und tatsächlich ein Praktikum stattfindet und keine reine Tätigkeit als Arbeitnehmer. Ich verweise auf den Artikel „Praktikanten können einen Anspruch auf volle Arbeitsvergütung haben!„. […]

    […] Abgrenzung zwischen Arbeitnehmer und Auszubildenden kann manchmal schwierig sein. In der Praxis versuchen manche Arbeitgeber den Arbeitslohn zu sparen […]

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